Flüsse im Fieber
Gestern Mittag paddelten Schülerinnen während unseres Wassertages noch durch die sanfte Strömung der Donau. Am Abend schlug die Regierung Alarm. Mit über 27 Grad an manchen Stellen ist der Fluss gefährlich warm geworden. Der Sauerstoffgehalt sinkt rapide – für Fische, Pflanzen und Mikroorganismen der Ausnahmezustand. Was wie ein schöner Sommertag begann, wurde zur Mahnung aus der Tiefe.
Auch in Gmunden, Stralsund und sogar in Rostock-Papendorf war es gestern heiß. Doch das Wasser dort: noch angenehm kühl und lebendig. Noch. Denn auch im Traunsee, der Ostsee und in der Warnow sind die Temperaturen in den letzten Jahren kontinulierlich gestiegen.
Zum ersten Mal in diesem Jahr waren wir gestern mit einem Wassertag an der Donau, genauer gesagt an ihrer nördlichsten Stelle: in Regensburg. Und ja – wir hatten Respekt. Wird sie zu kräftig sein für SUP-Anfänger? Doch sie zeigte sich von ihrer ruhigen Seite: gemächlich, einladend, tragend. Die Schülerinnen der St. Marien-Mädchenschule ließen sich flussabwärts treiben, fanden ihr Gleichgewicht und ihr Vertrauen. „Jede:r kann etwas bewirken – wir müssen es nur wollen“, sagte eine von ihnen.
Doch unter der Oberfläche sieht es anders aus. Die Regierung Oberpfalz warnte gestern Abend noch offiziell vor den extrem hohen Wassertemperaturen. Zwischen Regensburg und Passau ist durch das warme Wasser der Sauerstoffgehalt bedrohlich gesunken. Baggerarbeiten und Eingriffe sollen vermieden werden, zum Schutz der Lebewesen im Fluss. Was wir gestern gespürt haben, war also mehr als nur lauwarme Erfrischung. Es war ein Appell an uns alle.
In Stralsund hingegen forderte die Ostsee mit Flut, Böen und kaltem Salzwasser. Und dennoch waren alle Jugendlichen der Diesterweg-Schule mutig genug, mit uns auf die SUPs zu gehen und sich dem Wasser anzuvertrauen. Ein Mädchen kam strahlend aus den Wellen: „Ich wünsche mir jetzt ein eigenes SUP!“ Erfrischung war hier mehr als ein körperliches Gefühl – es war ein Aufbruch und ein inneres Aufleuchten.
In Gmunden am Traunsee lag ein Versprechen in der schwülen Luft: Ferien. Die letzte Schulwoche war bei den Schüler:innen vom BG Gmunden spürbar und doch konnten sie sich noch auf tiefgehende Themen einlassen. Einige Schüler:innen versanken in Gesprächen an der “Leben”-Station, andere lauschten meditativ dem See. Eine Passantin blieb über drei Runden neben einer Station sitzen und sagte: „Wie schön, dass ihr über solche Themen mit der Jugend von heute sprecht.“
An der Warnow in Rostock-Papendorf konnten wir fühlen, wie sehr Wasser hier verbindet und erinnert. Was wir in diesen Fluss geben, trägt er hinaus bis in die Ostsee. Zwei Schulklassen kamen heute mit: das Gymnasium Reutershagen und die Don Bosco Schule. Fast alle wollten aufs Wasser. Sie paddelten, lachten, ließen sich tragen. Film– und Radioteams hielten fest, was die Wassertage ausmacht: Momente echter Verbindung.
The water we met
Mit der Donau erging es uns gestern wie so oft: An der Oberfläche zeigte sie sich ausgleichend, als wohltuender Begleiter an einem heißen Sommertag. Doch wer tiefer blickt, erkennt schnell, wie fragil ihr Gleichgewicht geworden ist. Die Wassertemperaturen steigen. Nicht nur hier, sondern in vielen unserer Flüsse und Seen. Und mit ihnen wächst der Druck auf die Ökosysteme. Es ist nicht allein der Müll oder die Schadstoffe, die das Wasser belasten – es ist auch die Hitze, die mehr und mehr zu einem stillen Gift wird. Ein Gift, das unsere Gewässer kippen lässt, wenn wir nichts dagegen tun.
Am Traunsee war davon noch wenig zu spüren. Mit rund 19 °C blieb er auch an diesem warmen Tag erfrischend kühl. Der starke Durchfluss der Traun schützt ihn vor Überhitzung. Und doch: Auch hier zeigen Langzeitmessungen seit 1965 einen kontinuierlichen Temperaturanstieg. Ein See, der trägt, aber dessen Balance ebenfalls zunehmend auf die Probe gestellt wird.
Die Ostsee bei Stralsund begegnete uns gestern wild und lebendig. Der Wind war stark, die Wellen fordernd und doch erfrischend. Für die Jugendlichen ein echtes Abenteuer. Doch auch dieses Binnenmeer verändert sich:
- Seit 1980 ist die Wassertemperatur an der Oberfläche um etwa 1,6 °C gestiegen, in 20 m Tiefe sogar um 1,9 °C.
- Pro Jahrzehnt nimmt sie um rund 0,57 °C zu – mehr als doppelt so stark wie in der Nordsee.
- Insgesamt ist die Erwärmung seit 1990 bei etwa 1,9 °C angekommen.
Die Folgen sind deutlich: häufigere Hitzewellen, Sauerstoffmangel, Algenblüten, Veränderungen in der Artenvielfalt. Hinzu kommen lokale Umweltprobleme wie Cyanobakterienblüten oder Dieselverunreinigungen. Die Ostsee ist ein einzigartiger, faszinierender Lebensraum, der aus dem Gleichgewicht zu geraten droht und nur mit unserer Achtsamkeit bewahrt werden kann.
Die Warnow, ein 155 km langer Fluss, entspringt bei Grebbin, durchquert Seen und Feuchtgebiete und mündet bei Rostock in die Ostsee. Sie nimmt Zuflüsse wie die Nebel, Mildenitz und Temse auf und fließt durch eine vielfältige, schützenswerte Landschaft.
Ihr Wasser war gestern kühl und klar. Ein Geschenk für alle, die mit uns aufs SUP gingen. Und doch zeigt auch sie eine deutliche Reaktion auf den Klimawandel. Die zunehmende Tendenz zur Eutrophierung verdrängt heimische Arten, die Wasserqualität gerät unter Druck. Gleichzeitig bleibt sie ein wichtiger Trinkwasserspender und ein Ort der Bewegung, des Spiels, der Begegnung.
Quote of the day
„Jede:r kann etwas bewirken – wir müssen es nur wollen.“
Thought of the day
Das Wasser spricht längst.
Die Frage ist: Wann beginnen wir zuzuhören?
MAHALO an die OstseeSparkasse Rostock, die Sparkasse Oberösterreich, die Sparkasse Regensburg, die Sparkasse Vorpommern, das li.wu. im Metropol, die Film- und Radioteams, unsere Volunteers – und an alle, die ihre Ohren spitzen.


















