Zwischen Kapuze und T-Shirt
Mit zitternden Beinen stand der Junge zum ersten Mal auf dem Board. Mitten auf dem See streckte er die Hand aus und ließ das Wasser durch seine Finger rinnen – langsam, immer wieder, als würde er versuchen, es zu begreifen. Wir vom Team taten es ihm gleich und spürten die Verbindung.
So ein Tag brennt sich in den Körper ein. Wenn man stundenlang im Wind steht, zwischen strahlender Sonne und dunklen Wolken, dann fühlt sich der Körper am Abend anders an. Die Lungen sind weit, das Gesicht glüht nicht von Hitze, sondern von echter Lebendigkeit. Man hat das Gefühl, wieder richtig Luft geholt zu haben – außen wie innen. Und genau darum geht es: mittendrin sein. Im Wasser, im Wind, im Jetzt.
Bad Aibling: Yin, Yang und das Lachen am Wasser
Nach einer stürmischen Nacht mit viel Regen zeigte sich am Morgen über Bad Aibling wohltuend und klar die Sonne. Das Wasser der Mangfall empfing uns frisch und zugleich waren wir sehr irritiert. In diesem Abschnitt gleicht die Mangfall eher einem Kanal als einem Fluss. Sie mäandert nicht, sondern folgt einem vom Menschen vorgegebenen – sehr geraden – Weg. Die Mangfall zeigt hier, was es heißt, wenn wir glauben, uns die Welt so machen zu können, wie sie uns gefällt. Glücklicherweise wurde sie in anderen Abschnitten schon wieder renaturiert und darf dort so fließen, wie sie selbst es will.
Später, am Höglinger Weiher, paddelte über 30 Schüler:innen der Wilhelm-Leibl-Realschule mit vollem Einsatz in den Wind hinaus. Als die Kräfte schwanden, ließen wir uns alle auf dem Rücken liegend, die Augen geschlossen, zurücktreiben. Das Wasser unter uns, der Himmel über uns und das Gefühl, eins zu sein mit allem.
„Die Stationen und das SUP-Fahren waren wie Yin und Yang“, sagte ein Schüler und traf den Kern des Tages. Es wurde viel gelacht und Müll gesammelt („Wir sind cool und sammeln den Müll ein“), aber auch sehr achtsam und unterstützend miteinander umgegangen. Ein Tag, der Leichtigkeit und Tiefe schenkte, der uns aktivierte und entspannte. Wie Yin und Yang.
Mandichosee: Im Element des Erlebens
Der Mandichosee packte uns schon bei der Ankunft und ließ uns bis zum Ende nicht mehr los. Begleitet von einem Filmteam stellten wir uns den konstanten zwei bis drei Windstärken, den graudunklen Wolkenfeldern, dem fast blendenden Licht. Und mittendrin der See, der so klar war, dass man an vielen Stellen bis auf den Grund sehen konnte. Wer hier paddelte, war mitten in den Elementen. Und genau das machte den Tag so besonders.
Die Jugendlichen vom Paul-Klee-Gymnasium aus Gersthofen gingen in den diesen Tag mit außergewöhnlicher Freundlichkeit, nicht nur uns gegenüber, sondern auch im Miteinander. Sie waren offen für alles, interessiert und so entspannt, dass sie mühelos zwanzig Minuten am Stück hätten meditieren können (was für die meisten Jugendlichen eine Herausforderung wäre). Beim Wasserfilterbau hörte man: „Moos ist grandios!“. Und sogar das Wikingerschach wurde ausprobiert, was im letzten Jahr noch als „Opaspiel“ belächelt worden war.
Doch auch das war Teil des Tages: Wir fanden hunderte Zigarettenstummel am Ufer, trotz zahlreicher Mülleimer und obwohl wir hier schon in der Vorwoche Müll gesammelt hatten. Der Regen hatte die Wiese wieder grün gefärbt. Aber die Frage blieb: Wie lange kann die Natur noch ausgleichen, was wir ihr zumuten?
Ein Junge stieg zum ersten Mal auf ein SUP-Board. Mit sichtbarem Respekt paddelte er hinaus, kniete sich schließlich zitternd hin und ließ das kühle Wasser durch seine Finger fließen. Wieder und wieder. Als wollte er spüren, was ihn da trug. Seine Klassenkameradinnen legten sich bäuchlings auf ihre Boards und spürten so den Wellen mit dem ganzen Körper nach. Jedes Wort wäre hier draußen zu viel gewesen.
Und dann war da noch Filmemacher Matthias Obermeier mit Tonmann Timo Hormtientong. Schon auf Pascals zweimonatiger Reise bis ins Schwarze Meer hatte Matthias ihn mit der Kamera begleitet und daraus den berührenden Film „2467 km – Eine Reise bis zum Schwarzen Meer“ geschaffen, der seit sieben Jahren auf nahezu allen Wassertagen läuft. Heute war Matthias wieder mit dabei, um die Wassertage 2025 in einem neuen Kurzfilm festzuhalten.
The water we met
Informationen zur Mangfall und dem Höglinger Weiher findet ihr in diesem Blogbeitrag.
Zum Mandichosee gibt es hier mehr zu lesen.
Quote of the day
„Die Stationen und das SUP-Fahren waren wie Yin und Yang.“
Thought of the day
Manchmal spricht die Natur zuerst mit unserem Körper –
und dann mit unserem Herzen.
MAHALO an die Sparkasse Schwaben-Bodensee, an die Sparkassenstiftung Rosenheim für ihre Unterstützung und ihren Besuch, an die Volunteers Marcel und Moritz, an Filmkünstler Matthias Obermeier und seinen fleißigen Tonmann Timo Hormtientong – wir sind gespannt auf eure Bilder –, an die Schüler:innen für ihre Freundlichkeit und Bereitschaft, zu teilen, was sie bewegt.
Und an den Wind fürs Erinnern.














































