Vom Glück, wenn nicht alles nach Plan läuft

In der zweiten Woche der Wassertage 2026 zeigte sich das Wasser von vielen Seiten. An 14 Wassertagen begegneten Schülerinnen und Schüler von Norddeutschland bis Oberösterreich Seen, Flüssen, Stauseen und Teichen – und zugleich Regen, Wind, Sonne und Hagel.

Es war eine Woche, in der vieles anders kam als geplant. Regen und Unwetter verlegten Stationen nach drinnen, in Mauthausen setzte Donner dem Paddeln ein frühes Ende. Mal hielten die Jugendlichen dem Wetter stand, mal fand das Team neue Wege und führte sie statt aufs Wasser ins Grüne.

Vielleicht ist genau das die stärkste Erfahrung dieser Woche: Wasser und Natur lassen sich nicht planen. Sie folgen keinem Stundenplan. Sie sind nicht immer bequem. Aber es eröffnen sich neue Räume, wenn wir bereit sind, uns auf das Ungeplante einzulassen.

Von Teilhabe und Freude

Am Marbach-Stausee in Hessen begann die Woche mit einer besonderen Freude: Die Jugendlichen der zwei Gesamtschulklassen aus Erbach und Höchst erlebten einen Tag, der für viele selten war. Denn ihre Lehrerin erzählte, dass Bildungsaktionen wie die Wassertage sonst eher den Gymnasien vorbehalten seien. Umso deutlicher war zu spüren, wie viel es den Jugendlichen bedeutete, dabei sein zu können.

An den folgenden Tagen blieb das Wetter ein ständiger Tongeber. Am Hartkirchener Baggersee sprangen Schüler:innen des Gymnasiums Schärding mit strahlenden Gesichtern vom Floß. Einen Tag später paddelten die Jugendlichen der Mittelschule Münzkirchen auf dem gleichen See – im Regen.
„Trotzdem hat das Paddeln so so Spaß gemacht!“, sagte ein Schüler danach.

Am Bredenbeker Teich in Hamburg musste währenddessen improvisiert werden. Wegen des anhaltenden Regens fanden die Wasserstationen zunächst im Schulgebäude statt. Später begrüßten warme Sonnenstrahlen die Schüler:innen auf den SUP-Boards, bevor schwarze Wolken am Horizont das Team zum Aufbruch zwangen. Einen Tag später freuten sich die Kinder am gleichen See über Raupen, Babyfrösche und jene kleinen Naturbegegnungen, die in keinem Ablaufplan stehen, aber lange in Erinnerung bleiben.

Zeit, die plötzlich da ist

Am Mittwoch stand dann wieder Regen auf dem Programm: Unser Team wich mit den Schüler:innen aus Reichelsheim und Oberzent in die Räumlichkeiten der Odenwaldkreis-Sparkasse aus. Was zunächst schwierig wirkte, wurde zu einem Geschenk: Plötzlich war mehr Zeit da. Die Stationen konnten ausgedehnt werden. Die Jugendlichen legten in Gruppen einen natürlichen und einen begradigten Flusslauf und sprachen darüber, welche Folgen menschliche Eingriffe für Natur und Menschen haben.

Zur Freude der Stadt Erbach entstanden außerdem zwei Stadt-Cleaning-Aktionen. Innerhalb von 40 Minuten fanden die Schülerinnen und Schüler erstaunlich viel Müll. So zeigte sich auch hier: Manchmal liegt die Essenz eines Tages genau in dem Umweg, den niemand vorgesehen hatte.

Wissen, das ins Fühlen kommt

Diese Tiefe war an vielen Orten spürbar. Am Marbach-Stausee zeigte sich am Donnerstag, wie vielfältig ein Wassertag sein kann. Weil die Nachfrage nach Stand-up-Paddling durch das wechselhafte Wetter überschaubar war, wurde das Programm spontan erweitert: mit Kräuterwanderung, Handpan-Kurs und Volleyballturnier. Dass Wasser wurde hier zum beruhigenden Bühnenbild.

In Bremen trotzten Schülerinnen und Schüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums zeitgleich dem Wind und Hagel am Werdersee. Auch dort wurde spürbar, was ein Teammitglied später auf den Punkt brachte: Dinge müssen nicht immer so funktionieren, wie wir es planen.

Flüsse, Fragen und unsichtbares Wasser

Neben Wetter, Mut und Improvisation brachte diese Woche auch einige Wasserthemen mit sich. In Mannheim fanden zwei Kooperations-Wassertage mit Wasser 3.0 gGmbH statt. Unsere Partnerin und Freundin Katrin Schuhen entnahm während der Wassertage Proben aus dem Rhein, um sie auf Mikroplastik zu untersuchen. Ein Thema, das oft unsichtbar bleibt und doch längst in fast jedem Gewässer angekommen ist.

Auch eine andere unsichtbare Seite des Wassers wurde an vielen Wassertagen zum Aha-Moment: das virtuelle Wasser. Wie viel Wasser steckt in einer Jeans, einem Smartphone oder einer Tomate? Ein Schüler beim Wassertag im oberösterreichischen Mauthausen sagte später: „Bei einem Handy hätte ich nie gedacht, dass dafür so viel Wasser gebraucht wird.“

Zuvor hatten die Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Mauthausen das Wehr des Donau-Kraftwerks Abwinden-Asten besucht. Dort ging es um Wasserkraft, Flussnutzung und die Folgen menschlicher Eingriffe. Eine Schülerin sagte: „Ich war überrascht, dass es in Österreich so viele Wasserkraftwerke gibt und dass sie den Flüssen so sehr schaden können.“

Am Nachmittag ging es für diese Jugendlichen auf einem Altarm der Donau aufs SUP. Als gegen Ende Donner einsetzte, wurde das Paddeln aus Sicherheitsgründen beendet. Auch das gehört zu den Wassertagen: Natur ernst nehmen. Grenzen achten. Sicherheit vor Plan.

The water we met

Die Donau bei Mauthausen

Bei Mauthausen begegnet uns die Donau als großer europäischer Fluss und zugleich als stark genutzter Raum. In unmittelbarer Nähe liegt das Donaukraftwerk Abwinden-Asten.

Wasserkraft spielt in Österreich eine große Rolle: Mehr als 5.200 Wasserkraftwerke liefern bis zu 60 Prozent des im Land erzeugten Stroms. Zugleich prägen mehr als 33.000 Querbauwerke die österreichischen Flüsse. Im Durchschnitt unterbricht etwa alle 900 Flussmeter ein Wehr, eine Schwelle oder ein anderes Hindernis die ökologische Durchgängigkeit.

Für Flüsse bedeutet das: Sie werden gestaut, gebremst und in ihrer natürlichen Dynamik verändert. Fische und andere Wasserlebewesen können nicht mehr ungehindert wandern, Strömungen werden unterbrochen, Lebensräume geraten aus dem Gleichgewicht.

Die Donau bei Mauthausen zeigte deshalb besonders eindrücklich, dass Wasserkraft zwar Energie aus nicht-fossilen Quellen liefert, aber zugleich tief in den Lebensraum Fluss eingreift. Die entscheidende Frage lautet also: Wie nutzen wir die Kraft des Wassers, ohne unseren Flüssen zu viel Raum, Bewegung und Lebendigkeit zu nehmen?

Der Rhein bei Mannheim

Der Rhein ist einer der großen Wirtschafts- und Verkehrsflüsse Europas. Der Mannheimer Hafen gehört mit rund 1.131 Hektar Fläche zu den größten Binnenhäfen Deutschlands, erstreckt sich entlang des Rheins und der Neckarmündung und umfasst mehrere Hafengebiete, Hafenbecken und Stromhäfen. Mehr als 400 Unternehmen sind dort ansässig. 2025 wurden in den Häfen Mannheim und Ludwigshafen zusammen 11,8 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen.

Gleichzeitig ist der Rhein bei Mannheim dadurch stark genutzt und belastet: Schifffahrt, Hafenflächen, Industrie, Freizeit und Naturschutz konkurrieren um Raum. hinzu kommen ökologische Themen wie Mikroplastik, Niedrigwasser, steigende Wassertemperaturen und der Verlust von wichtigen Laich-, Jungfisch-, Nahrungs- und Ruhehabitaten.

Der Werdersee in Bremen

Der Werdersee liegt südlich der Bremer Innenstadt und ist für viele Menschen ein Ort der Erholung. Hier wird gebadet, gepaddelt, spazieren gegangen, gejoggt und Zeit am Wasser verbracht. Mit seiner zentralen Lage und rund 54,5 Hektar Seefläche gehört er zu den wichtigen Naherholungsräumen der Stadt. Der See wurde ab den 1950er-Jahren angelegt und später erweitert. Entstanden ist er auch im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz der Stadt. Heute verbindet er Wasser, Grünraum, Freizeit und Schutzfunktion auf engem Raum.

Ökologisch ist der See ein sensibles Gewässer. In den vergangenen Jahren machte dort vor allem die sogenannte “Wasserpest” auf sich aufmerksam. Diese Unterwasserpflanze ist nicht giftig und verschlechtert die Wasserqualität nicht grundsätzlich. Wenn sie sich jedoch stark ausbreitet, kann sie Baden und Wassersport erheblich einschränken. Im Sommer 2025 war der Werdersee zeitweise so stark betroffen, dass Pflanzenbestände maschinell entfernt und Wassersportbereiche eingeschränkt werden mussten.

Der Marbach-Stausee im Odenwaldkreis

Der Marbach-Stausee ist ein künstlich angelegtes Gewässer. Ursprünglich wurde die Talsperre zum Hochwasserschutz errichtet, heute ist der See zugleich Badesee, Freizeitort, Wassersportfläche und Naturraum. Ein Teil des Sees dient dem Vogelschutz.

Der Marbach-Stausee zeigt beispielhaft, wie schnell ein See auf Belastungen reagiert. Aufgrund des hohen Nährstoffgehalts kann es im Sommer zu Algen- und Cyanobakterienaufkommen kommen. Gegen Ende der Badesaison erreichten diese Belastungen in den vergangenen Jahren zeitweise kritische Konzentrationen.

Der Frauenwieserteich bei Freistadt (Österreich)

Der Frauenwieserteich liegt bei Langschlag im Waldviertel, eingebettet in eine hügelige Wiesenlandschaft. Die Freizeitanlage wurde Anfang der 1980er-Jahre errichtet und umfasst heute einen Bade- und Fischteich mit großem Badestrand, Liegewiese, Spielplatz und weiteren Freizeitangeboten.

Gerade solche Badeteiche zeigen, wie wertvoll Wasser vor der eigenen Haustür ist. Sie schenken Abkühlung, Begegnung und Naturerfahrung. Gleichzeitig sind sie empfindliche Systeme. Wenn viele Menschen ein Gewässer nutzen, braucht es Pflege und Rücksicht. Wasserqualität, Algenbildung und Fischbestand hängen eng mit dem Badebetrieb zusammen. Im Sommer 2024 musste am Frauenwieserteich zeitweise ein Badeverbot verhängt werden, nachdem eine Algenblüte aufgetreten war.

Weitere Gewässer

Informationen zum Hartkirchener Baggersee und zum Bredenbeker Teich findet ihr in unseren Blogbeiträgen aus den Wassertagen 2025.

MAHALO

… an die Sparda-Bank Hamburg eG, die Sparkasse Oberösterreich, die Sparkasse Odenwaldkreis, BINGO! Die Umweltlotterie, die Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft der Freien Hansestadt Bremen sowie an Wasser 3.0 gGmbH, die diese Woche unterstützt haben,
… an die Schulen aus Erbach, Höchst, Schärding, Münzkirchen, Hamburg, Breuberg, Bad König, Freistadt, Mannheim, Oberzent, Reichelsheim, Mauthausen, Michelstadt und Bremen,
… und an all die ungeplanten Momente, in denen aus Regen, Wind und Umwegen neue Erfahrungen entstanden sind.