100 Prozent Wassertage 2026

Auf dem Wasserdeckel dieses Jahres springen Kinder gemeinsam in die Donau. Für einen kurzen Moment schweben sie zwischen Himmel und Wasser.

In dieser Woche ist das Bild komplett: 100 Prozent unserer Wassertage 2026 sind geschafft. Aus vielen einzelnen Tagen ist ein rundes Ganzes geworden.

Seit Anfang Juni waren unsere Teams an Seen, Meeren, Flüssen und Bächen in Deutschland und Österreich unterwegs. Tausende Schülerinnen und Schüler haben Wasser neu erlebt, über Konsum und Gewässerschutz gesprochen, Müll gesammelt, Stille erfahren und sich auf ein SUP-Board gewagt.

In dieser letzten Woche führten die Wassertage noch einmal an fünf sehr unterschiedliche Orte: an den Hollerner See bei Eching, an den Mooswaldsee bei Günzburg, an den Mandichosee bei Augsburg und schließlich an die Donau bei Dillingen.

Fünf letzte Wassertage und fünf weitere Einladungen zum Sprung. Ganz direkt ins Wasser, aber auch im übertragenen Sinn, sich auf etwas Neues einzulassen, das eigene Handeln zu hinterfragen und sich bewusst für einen anderen Weg zu entscheiden.

Denn jede Entscheidung für etwas ist auch eine Entscheidung gegen etwas anderes. Gegen Gewohnheiten, die bequem sind. Gegen Konsum, den wir nicht wirklich brauchen. Gegen das Gefühl, dass der eigene Beitrag ohnehin zu klein ist.

Ein Sprung braucht Mut. Doch wer springt, lässt nicht nur etwas hinter sich. Er bewegt sich auch auf etwas Neues zu.

Angesichts brennender Wälder und ausgetrockneter Flüsse können wir deshalb nur sagen:

Los, springen wir alle.

Ein kleiner erster Sprung. Weniger Fleisch, Flugreisen, neue Jeans, Müll… irgendetwas, das unsere Gewohnheiten herausfordert.
Und dabei merken wir: Es fühlt sich gar nicht so sehr nach Verlust an wie befürchtet.
Unsere Angst vor Veränderung wird kleiner.
Und der nächste Sprung wird möglich.

Machen wir aus vielen kleinen Sprüngen eine Bewegung.

Die Kinder haben es uns vorgemacht.


Wind, Weite und ein gemeinsamer Fokus

Der erste Wassertag der Woche begann am Hollerner See mit Regen und kräftigem Wind. Immer wieder wurden die SUP-Boards in unterschiedliche Richtungen verweht. Schon der Aufbau wurde dadurch zu einer Herausforderung. Doch gerade diese Bedingungen machten den Tag mit den 37 Schülerinnen und Schülern der Mittelschule Eching besonders: Gemeinsam galt es, sich anzupassen, aufeinander zu achten und als Team Lösungen zu finden.

19 Jugendliche wagten sich trotz Wind und kühler Temperaturen auf die Boards. Umso größer war der Stolz über jede gemeisterte Runde auf dem Wasser.

Ein besonderer Moment entstand an der Achtsamkeitsstation. Während einer Balanceübung gab ein Schüler der Gruppe einen einfachen Rat: „Sucht euch einen Fokuspunkt!“

Mit seiner ruhigen Art half er anderen dabei, ihr Gleichgewicht zu finden. Ein kleiner Satz, der nicht nur für die Übung passte. Häufig braucht es genau das: einen Punkt, auf den wir uns ausrichten können, während um uns herum vieles in Bewegung ist.

Unterstützt wurde das Team an diesem Tag von den Volunteers Lucas und Niclas, die ihre Energie und Begeisterung sowohl auf dem Wasser als auch an der Kreativstation weitergaben. Und nach dem nassen Beginn zeigte sich schließlich sogar noch die Sonne.

Was wünschen wir uns für uns selbst?

Am nächsten Tag kamen 26 Schülerinnen und Schüler der Technischen Schule Heidenheim an den Mooswaldsee. Zwischen den Stationen, den Übungen und der Zeit auf dem Wasser blieb immer wieder Raum für persönliche Gespräche. Eine Frage begleitete die Gruppe besonders: „Was wünsche ich mir eigentlich für mich selbst?“

Daraus entwickelten sich Gedanken über Natur, Wasser und unsere Beziehung zu ihnen. Ein Schüler berichtete, dass ihm aufgefallen sei, wie viele Flüsse in Deutschland begradigt sind. Aus der Türkei kenne er dagegen noch viele frei fließende Gewässer.

Auch die Wirkung des Wassers beschäftigte die Jugendlichen. Warum empfinden wir das Meer als so beruhigend? Liegt es an seiner Weite? An der Entfernung zum Alltag? Oder am Wasser selbst?

Was denkst du?

Wenn trockenes Gras vom Wasser erzählt

Am Mittwoch verbrachten 33 Schülerinnen und Schüler des Dossenberger-Gymnasiums Günzburg ihren Wassertag am Mooswaldsee. Bei sommerlicher Hitze suchte die Gruppe immer wieder die Nähe zum Wasser. Das trockene Gras rund um den See erinnerte gleichzeitig daran, wie wertvoll Wasser gerade nach heißen und niederschlagsarmen Wochen ist.

17 Jugendliche paddelten auf dem See und begegneten dort sogar einer Schlange. Das Wasser wurde damit nicht nur zum Lern- und Erlebnisraum, sondern zeigte sich auch als vielfältiger Lebensraum.

Ein letzter gemeinsamer Tag am Mandichosee

Am Donnerstag feierten 46 Schülerinnen und Schüler der elften Jahrgangsstufe des Leonhard-Wagner-Gymnasiums am Mandichosee den Abschluss der Wassertage. Es war ein Tag mit einer besonderen Atmosphäre. Die Vorfreude auf die Ferien war zu spüren. Viele Lehrkräfte nutzten selbst die Gelegenheit zum Paddeln. Auf dem Wasser und an den Stationen entstand eine ruhige, offene und vertrauensvolle Stimmung.

Besonders deutlich wurde das an der Achtsamkeitsstation. Viele Jugendliche wären gerne noch länger geblieben, weil es ihnen gelang, dort wirklich zur Ruhe zu kommen. Ideen zum Wassersparen und zum Schutz der Gewässer entstanden danach an den weiteren Stationen beinahe von selbst: kreativ, konkret und voller Motivation.

Auch wenn nun für viele ein Urlaub am See, am Meer oder in den Bergen beginnt, bleibt eine Botschaft bestehen: Wir dürfen Wasser nicht als selbstverständlich betrachten. Wir müssen hinsehen, darüber sprechen und gemeinsam handeln.

Wo alles begann

Parallel zum Abschluss am Mandichosee führte ein zweiter und zugleich letzter Wassertag zurück an den Ort, an dem die Geschichte der Wassertage acht Jahre zuvor begonnen hatte.

Am 26. Juli 2018 fand mit dem Johann-Michael-Sailer-Gymnasium in Dillingen, der früheren Schule von Pascal, der erste Wassertag statt. Seitdem haben mehr als 20.000 Schülerinnen und Schüler an Seen, Meeren und Flüssen Wasser neu erlebt.

Nun kehrten die Wassertage an die Donau zurück. Doch während die 42 Jugendlichen an diesem Tag viel Zeit an der Donau verbrachten, konnten sie dort weder baden noch paddeln. In Dillingen ist der Fluss begradigt und durch ein Laufwasserkraftwerk stark verändert. Naturnahe Ufer und geeignete Zugänge fehlen. Für das Stand-up-Paddeln und Schwimmen wechselte die Gruppe deshalb später an den Wagersee.

Wie die Donau einmal wieder aussehen könnte, zeigte das Bild einer Schülerin. Sie malte einen Fluss, der sich in weiten Schleifen durch die Landschaft bewegt. Eine mäandrierende Donau, die Raum erhält und wieder stärker mit ihrer Umgebung verbunden ist.

Das Bild berührte das Team. Es wirkte wie ein Appell: an die Stadt, an die politisch Verantwortlichen und an uns alle. Könnte die Donau wieder näher an Dillingen heranrücken? Könnten Fluss und Stadt neu miteinander verbunden werden?

Gerade während einer Hitzeperiode wird deutlich, wie wertvoll lebendige Flusslandschaften sind. Flüsse, Auen und Feuchtgebiete können die Umgebung kühlen, Wasser in der Landschaft halten und bei Hochwasser als natürliche Rückhalteräume dienen.

Dass große Veränderungen möglich sind, zeigte an diesem Tag auch der Blick über die Donauebene. Die Kühltürme des ehemaligen Kernkraftwerks Gundremmingen, die diese Landschaft über Jahrzehnte geprägt hatten, sind seit dem letzten Herbst verschwunden. Ihr Verschwinden zeigt, wie grundlegend sich eine vertraute Landschaft verändern kann, wenn wir es wollen.

Und auch die Donau kann in einigen Jahrzehnten wieder anders aussehen. Vielleicht (und hoffentlich) ein wenig mehr wie auf dem Bild der Schülerin. Die Wassertage möchten zurückkehren, Jahr für Jahr, und diese Entwicklung begleiten.

So endeten die Wassertage 2026 dort, wo sie einmal begonnen hatten: an der Donau, bei Flusskilometer 2539,0.

Das Fließen geht weiter.


The water we met

Der Hollerner See

Der Hollerner See liegt zwischen Eching und Unterschleißheim nördlich von München. Er entstand durch den langjährigen Abbau von Kies und ist ein grundwassergespeister Baggersee. Heute gehört er zu den größten und beliebtesten Bade- und Erholungsgewässern der Region. Rund um den See entstanden Liegewiesen, ein Badestrand und naturnah gestaltete Bereiche.

Seine Geschichte zeigt, wie sich eine vom Menschen stark veränderte Landschaft weiterentwickeln kann. Wo früher Kies gewonnen wurde, befindet sich heute ein Ort, an dem Menschen schwimmen, spazieren gehen, Sport treiben und Natur erleben. Zugleich bleibt der See eng mit dem Grundwasser und damit mit dem Wasserhaushalt der gesamten Umgebung verbunden.

Wie viele Baggerseen besitzt der Hollerner See kaum natürliche oberirdische Zu- und Abflüsse. Sein Wasserspiegel wird deshalb vor allem durch das Grundwasser bestimmt. Veränderungen der Niederschläge, längere Trockenperioden und ein sinkender Grundwasserspiegel können sich unmittelbar auf solche Gewässer auswirken.

Der Hollerner See ist damit nicht nur ein Freizeitort. Er erinnert auch daran, dass selbst große, scheinbar dauerhaft gefüllte Seen Teil eines empfindlichen Wasserkreislaufs sind. Ihre Nutzung, ihre ökologische Entwicklung und der Schutz des Grundwassers müssen gemeinsam betrachtet werden.

Die Donau bei Dillingen

Die Donau fließt südlich an Dillingen vorbei und prägt gemeinsam mit ihren Auwäldern, Altwassern und den weiten Flächen des Donaurieds die Landschaft der Region. Das Donauried erstreckt sich zwischen Neu-Ulm und Donauwörth und war ursprünglich eine dynamische Fluss-, Auen- und Niedermoorlandschaft. Bis heute sind entlang der Donau wertvolle Auwaldreste und ehemalige Flussarme erhalten.

Von Natur aus veränderte die Donau regelmäßig ihren Lauf. Bei Hochwasser trat sie über die Ufer, lagerte Kies und Sand ab, schuf Seitenarme und überschwemmte ihre Auen. Dabei entstanden vielfältige Lebensräume für Fische, Amphibien, Vögel, Insekten und Pflanzen. Gleichzeitig hielten die Auen Wasser in der Landschaft zurück.

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Donau im bayerischen Schwaben jedoch zunehmend begradigt und ausgebaut. Eine der ersten Maßnahmen war der Karolinenkanal zwischen Dillingen und Lauingen. Durch die Regulierung verkürzte sich der Donaulauf zwischen der Iller- und der Lechmündung insgesamt um rund 27 Kilometer. Viele ehemalige Flussschlingen, Überschwemmungsflächen und natürliche Verbindungen zur Aue gingen verloren.

Heute zeigt die Donau bei Dillingen beide Seiten ihrer Geschichte: Sie ist ein vom Menschen stark veränderter Fluss und zugleich Mittelpunkt einer noch immer wertvollen Wasserlandschaft. Auwälder, Altwasser und Überschwemmungsflächen sind nicht nur Lebensräume. Sie helfen auch dabei, Hochwasser aufzunehmen, Wasser zurückzuhalten und die Landschaft widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit und Starkregen zu machen.

Gerade an einem Fluss, der viele Regionen und Länder miteinander verbindet, wird sichtbar: Was an einem Ort mit dem Wasser geschieht, bleibt niemals nur dort.

Weitere Gewässer

Informationen zum Mooswald– und Mandichosee findet ihr in diesem Blogbeitrag.


MAHALO

… an die Sparkasse Freising Moosburg, den Rotary Club München-Land, die Stiftung DeineWelt, die Sparkasse Schwaben-Bodensee und die Loni und Josef Grünbeck-Stiftung, die die Wassertage dieser Woche unterstützt haben,

… an die Mittelschule Eching, die Technische Schule Heidenheim, das Dossenberger-Gymnasium Günzburg, das Leonhard-Wagner-Gymnasium Schwabmünchen und das Johann-Michael-Sailer-Gymnasium Dillingen,

… an alle Lehrkräfte, die ihren Schülerinnen und Schülern ermöglicht haben, das Klassenzimmer gegen einen Platz am Wasser zu tauschen,

… an alle Schülerinnen und Schüler, die gefragt, gesammelt, diskutiert, zugehört, nachgedacht, ausprobiert und sich auf das Wasser gewagt haben,

… an alle Wassermentorinnen und Wassermentoren dieser Woche und der gesamten Wassertage 2026,

… und an Hollerner See, Mooswaldsee, Mandichosee und Donau.

 

100 Prozent Wassertage.

Ein Sprung ins Wasser schenkt uns Erfrischung, Freude und einen Moment voller Gegenwart.
Warum sollte ein Sprung in ein neues Handeln weniger bewirken?

Springen wir.