„Ich wollte den Himmel berühren.“
Während ihre Mitschülerinnen und Mitschüler mit den SUP-Boards unterwegs waren, saß ein Mädchen am Ufer und tauchte immer wieder ihren Finger ins Wasser. Nicht, um zu prüfen, wie kalt es ist, sondern weil sich der Himmel darin so schön spiegelte.
Manche Verbindungen zum Wasser beginnen mit einem solchen Moment am Ufer. Eine Erfahrung, die sich durch alle Wassertage dieser Woche zog. Von Siegen bis Augsburg, vom Seelbacher Weiher bis zum Mandichosee begegneten über 400 Schülerinnen und Schüler dem Wasser auf ganz unterschiedliche Weise. Manche standen zum ersten Mal auf einem SUP. Andere lernten, warum Flüsse renaturiert werden. Wieder andere sammelten Müll oder ließen sich mit geschlossenen Augen auf dem Wasser treiben.
Und immer wieder zeigte sich: Es sind die unspektakulären Momente, die spektakulär werden.
Beim ersten Mal gelingt nicht alles
Am Seelbacher Weiher in Siegen fiel es einigen Jugendlichen zunächst schwer, die Balance auf den SUPs zu finden. Doch niemand gab auf. Immer wieder versuchten sie es erneut. Ein Paddelschlag und noch einer. Und irgendwann standen sie.
Das Feedback der Schülerinnen und Schüler machte deutlich, wie viel dieser Tag ausgelöst hatte.
„Bester Schultag überhaupt! Bitte kommt nächstes Jahr wieder zurück.“
„Heute war ich das erste Mal SUPen und es hat so viel Spaß gemacht. Danke, danke, danke.“
Besonders berührend war auch die Rückmeldung einer Lehrerin, die schrieb:
„Gestern hatten wir einen wunderschönen Wassertag. Ich denke, dass das viele Eindrücke bei den Schülern hinterlassen hat (…).
Ganz nach dem afrikanischen Sprichwort:
Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.“
Vier Tage. Ein See.
Während das Team in Siegen am Seelbacher Weiher unterwegs war, verbrachte unser Team Süd gleich vier Tage am Mandichosee bei Augsburg. Eigentlich immer derselbe Ort und doch war jeder Wassertag anders.
Am Montag begleiteten Schwäne und Graugänse die ersten Paddelversuche. Am Dienstag sorgte kräftiger Wind für anspruchsvolle Bedingungen und forderte die Muskeln und Willenskraft der Schülerinnen und Schüler heraus. Am Mittwoch standen die Renaturierung des Lechs und die Frage im Mittelpunkt, warum Flüsse eigentlich Staustufen haben und wie sie wieder naturnäher werden können.
Am Donnerstag wurde am Mandichosee schließlich alles „doppelt“: Zwei Schulen verbrachten dort parallel ihren Wassertag, acht Wasserstationen wurden aufgebaut und 24 SUPs lagen bereit. Einige Schülerinnen und Schüler löcherten Pascal schon vor dem Film mit Fragen zu seiner Reise. Später paddelten sie weit hinaus, sprangen ins erfrischende Wasser und ließen sich mit geschlossenen Augen auf den Boards treiben. Nach dem lebhaften Vormittag kehrte auf dem See plötzlich Ruhe ein.
Auch das Wissen blieb hängen: Dass für die Herstellung einer Jeans rund 10.000 Liter Wasser benötigt werden, wussten am Ende alle. Das Projekt „Wasserscouts“, das eine Lehrerin der Realschule Maria Stern mit großem Engagement an ihrer Schule weiterentwickelt, hatte dafür bereits eine wichtige Grundlage geschaffen.
Der Mandichosee zeigte in dieser Woche aber auch seine andere Seite: Vier Tage lang sammelten die Schülerinnen und Schüler Müll – und trotzdem kamen am letzten Tag noch einmal drei volle Müllsäcke zusammen. Gewässerschutz hört niemals auf.
Warum Menschen ans Wasser gehören
Eine Begegnung dieser Woche blieb uns besonders im Gedächtnis. Am Seelbacher Weiher erzählte uns der Bademeister, dass das Naturbad im kommenden Jahr seinen 100. Geburtstag feiert. Gleichzeitig fragte er sich traurig, warum heute immer weniger Menschen zum Schwimmen kommen.
Diese Frage reicht weit über den Seelbacher Weiher hinaus. Denn viele Seen und Flüsse liegen direkt vor unserer Haustür. Und trotzdem kennen wir sie kaum noch. Genau deshalb führen die Wassertage junge Menschen wieder dorthin zurück. An Orte, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. An Gewässer, die wir nur schützen können, wenn wir sie kennen.
Und wenn wir uns auf sie einlassen, können wir vielleicht auch den “Himmel” in ihnen berühren.
The water we met
Der Mandichosee
Der Mandichosee liegt südlich von Augsburg zwischen Königsbrunn und Merching und entstand Anfang der 1970er-Jahre durch den Bau der Lechstaustufe 23. Er ist Teil einer ganzen Kette von Staustufen am Lech, die zur Stromerzeugung und zur Regulierung des Flusses errichtet wurden. Heute gehört der See zu den beliebtesten Naherholungsgebieten Bayerisch-Schwabens und wird zum Baden, Segeln, Windsurfen und Stand-up-Paddling genutzt.
Besonders ist der Mandichosee, weil sich an ihm die Geschichte des Lechs erzählen lässt. Der Lech war ursprünglich ein wilder Alpenfluss mit breiten Kiesbänken, verzweigten Seitenarmen und regelmäßig wechselnden Flussläufen. Durch den Bau zahlreicher Staustufen wurde der Fluss jedoch über viele Jahrzehnte stark verändert. Das Wasser fließt langsamer, Kies bleibt in den Staubereichen liegen und viele typische Lebensräume für Fische, Vögel und andere Tierarten gingen verloren.
Deshalb wird der Lech heute an vielen Stellen renaturiert. Seitenarme werden wieder angebunden, Ufer naturnäher gestaltet und Kiesflächen neu geschaffen, damit der Fluss wieder mehr von seiner ursprünglichen Dynamik entwickeln kann. Der Mandichosee steht damit beispielhaft für die Frage, wie wir Flüsse gleichzeitig nutzen und schützen können.
Der Seelbacher Weiher
Der Seelbacher Weiher liegt im Süden der Stadt Siegen und wurde ursprünglich im Jahr 1832 als Mühlweiher angelegt. Seit 1927 wird er als Naturfreibad genutzt und gehört damit zu den traditionsreichsten Badegewässern der Region. Eingebettet in eine bewaldete Landschaft ist er bis heute ein beliebter Ort zum Schwimmen und Erholen.
Besonders ist der Seelbacher Weiher, weil er zeigt, welche Bedeutung kleine Gewässer für eine Region haben können. Anders als große Seen oder Flüsse ist er kein spektakuläres Naturdenkmal. Gerade dadurch wird deutlich, wie wichtig wohnortnahe Gewässer für Naturerlebnisse, Erholung und Lebensqualität sind. Seit fast 100 Jahren verbringen Menschen ihre Sommertage an seinem Ufer.
Gleichzeitig stehen auch solche kleinen Naturgewässer vor Herausforderungen. Sie sind auf einen achtsamen Umgang angewiesen, denn Müll, intensive Nutzung, Nährstoffeinträge und die Folgen des Klimawandels wirken sich auch auf kleine Seen und Weiher aus. Der Seelbacher Weiher erinnert daran, dass Gewässerschutz nicht erst an großen Flüssen oder Meeren beginnt, sondern oft direkt vor der eigenen Haustür.
Das Naturfreibad Zitzenbach
Das Naturfreibad Zitzenbach liegt im Kreuztaler Ortsteil Ferndorf am Rand des Rothaargebirges. Es wurde in den 1920er-Jahren aus einem kleinen Bachstau heraus angelegt, um Kindern und Jugendlichen einen Ort zum Schwimmen und zur Bewegung in der Natur zu bieten. Bis heute wird das Freibad mit großem ehrenamtlichem Engagement erhalten und gepflegt.
Besonders ist das Naturfreibad Zitzenbach, weil es zeigt, wie eng Natur und Erholung miteinander verbunden sein können. Das Wasser wird auf natürliche Weise gespeist und ist Teil eines kleinen Fließgewässersystems. Die umgebenden Wälder, Wiesen und Bachläufe prägen den Charakter des Naturfreibades und machen es zu einem wichtigen Naherholungsort für die Region.
MAHALO
… an den FC Augsburg, die Sparda-Bank Augsburg eG, die Sparkasse Siegen und die Stadt Augsburg, die die Wassertage dieser Woche möglich gemacht haben,
… an die Gesamtschule Am Rosterberg, die Freie Christliche Realschule Siegen, die Carl-Kraemer-Realschule Hilchenbach, die Anna-Pröll-Mittelschule Gersthofen, die Heinrich-von-Buz-Realschule Augsburg, die Staatliche Realschule Neusäß, die Realschule Maria Stern Augsburg und das Paul-Klee-Gymnasium Gersthofen,
… an alle Schüler:innen, Lehrkräfte, Volunteers und Unterstützer:innen,
… und an den Lech, den Mandichosee, das Naturfreibad Zitzenbach und an den Seelbacher Weiher. Durch euch entstand eines der schönsten Zitate der Wassertage 2026.



























