Abkühlung gesucht – Warnzeichen gefunden
Normalerweise liegen sie an der Achtsamkeitsstation auf Yogamatten am Boden und lauschen einer Körperreise. Beim Wassertag in Weyer wurde daraus kurzerhand eine Gehmeditation im Bach. Schatten war kaum zu finden, also gingen die Schülerinnen und Schüler durchs Wasser, kühlten sich ab und merkten ganz unmittelbar, dass Wasser ist nicht nur etwas ist, das wir trinken oder verbrauchen. Wasser ist auch das, was uns an heißen Tagen Erleichterung verschafft.
Diese einfache Erfahrung zog sich durch die vierte Woche der Wassertage 2026. Bei 14 Wassertagen von Hildesheim bis Ried, von der Elde bis zum Prameter Badesee, von der Elbe bis zum Peenestrom, wurde Wasser für viele Kinder und Jugendliche zur dringend nötigen Abkühlung. Gleichzeitig zeigte sich an mehreren Orten, wie sehr die Gewässer selbst unter Hitze und Niedrigwasser leiden.
Zum Ende der Woche wurden für mehrere Bereiche von Main und Donau Warnungen herausgegeben: Die Wassertemperaturen erreichten dort 27 bis über 28 Grad. Für viele Lebewesen und Pflanzen wird es dann lebensbedrohlich. Im Altmühlsee in Mittelfranken wurden sogar fast 30 Grad gemessen. In Ungarn wurde ein Kernkraftwerk gedrosselt, weil das Wasser der Donau, das zum Kühlen genutzt wird, die kritische Marke von 29,5 Grad überschritten hatte.
Steigende Temperaturen gehören inzwischen zu den größten Belastungen für unsere Gewässer. Hitzestress führt zu Sauerstoffmangel, verändert die Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen und begünstigt schädliche Algenblüten. Im schlimmsten Fall kippen ganze aquatische Ökosysteme.
Und das betrifft uns. Gewässer können zur Gesundheitsgefahr werden. Baden wird bei anhaltender Hitze nicht mehr an jedem See, Fluss oder Küstenabschnitt möglich sein. Noch schwerer wiegt: Wir verlieren wertvolle Naturschätze – manche davon unwiederbringlich.
Was hilft? Am Ende nur eines: Wir müssen die Welt abkühlen. Jeder Zehntelgrad weniger Erderwärmung zählt. Für die Flüsse, Seen, Bäche und Meere, ohne die wir nicht leben können.
Warme Seen, tote Fische, viele Fragen
Am Hartkirchner Baggersee in Oberösterreich war die Veränderung innerhalb weniger Tage zu riechen. In der Woche zuvor hatte der See noch eine sehr gute Badequalität, jetzt roch das Gewässer bereits beim Ankommen unangenehm. Die Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Esternberg genossen das Wasser trotzdem. Doch genau in diesem Nebeneinander lag die Erfahrung des Tages: Wasser kühlt und trägt und gerät zugleich sichtbar unter Druck.
Auch am Prameter Badesee zeigte sich, wie sehr Hitze Gewässer belasten kann. Das Wasser war auffällig warm und trüb, im See trieben tote Fische. Die Schülerinnen und Schüler stellten sofort besorgte Fragen: Warum sind die Fische tot? Wer ist dafür verantwortlich? Und warum ist der See eigentlich so warm?
Der Hohnsensee in Hildesheim machte deutlich, dass solche Entwicklungen nicht erst dann beginnen, wenn tote Fische sichtbar werden. Der zwischen 1966 und 1974 durch Kiesabbau entstandene See ist heute Badeort, Freizeitfläche und Lebensraum. In den vergangenen Wochen wurde er vertieft, weil es dort immer wieder Probleme mit Algen und Blaualgen gab. Auch hier geht es um ein empfindliches Gleichgewicht, um Wassertemperatur, Nährstoffe, Nutzung, Sauerstoff, und um die Frage, wie ein Badesee stabil bleiben kann, wenn heiße Phasen häufiger werden.
Solche Beobachtungen verändern den Blick. Wer an einem See steht, der riecht, trüb ist oder bereits technisch unterstützt werden muss, versteht schneller als durch jede Grafik, dass Gewässer lebendige Systeme sind. Sie reagieren auf Hitze, Nährstoffe, Nutzung, Sauerstoffmangel und auf das, was Menschen ihnen zumuten.
Niedrigwasser an der Elbe
In Magdeburg zeigte die Elbe ein anderes Warnzeichen. Der ursprünglich für den Wassertag geplante Seitenarm führte wegen des niedrigen Wasserstands kaum Wasser. Wo Wasser erwartet wurde, war vor allem Land zu sehen. Erst etwas weiter fanden wir mit den Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule „An der Elbe“ Parey und der Evangelischen Sekundarschule Magdeburg einen schattigen Elbarm, an dem der Wassertag stattfinden konnte.
Dort wurde der Fluss zum Lernort direkt vor der eigenen Haustür. Die Jugendlichen spürten das warme Flachwasser, entdeckten Sandbänke, Muschelschalen, beobachteten Milane und Wildgänse. Beim Müllsammeln waren viele erstaunt, wie lange einzelne Fundstücke ohne ihr Eingreifen in der Natur geblieben wären.
Weniger Programm, mehr Wasser
Auch in Möckern am AWG-See wurde das Programm wegen der Hitze angepasst. Statt an vier gab es an zwei ausgedehnten Stationen mehr Raum für Schatten, Wasser, Abkühlung und Wahrnehmung. Einige Jugendliche ließen sich später mit Schwimmweste vom SUP fallen und trieben auf dem Rücken, den Blick in den Himmel gerichtet. Andere sammelten Müll oder entwickelten Ideen, wie man im Alltag mehr Rücksicht auf die Natur nehmen kann.
Besonders schön war, dass manche von ihnen bereits einen eigenen Zugang zum Wasser hatten, unter anderem durch Angeln. Für sie war Gewässerschutz kein fremdes Thema, sondern Teil ihrer eigenen Lebenswelt.
Wasser dreht die Stimmung
Am Hohnsensee in Hildesheim zeigte sich noch etwas anderes, das bei den Wassertagen immer wieder geschieht. An Land fiel es manchen Klassen zunächst schwer, sich auf die Stationen einzulassen. Doch auf dem Wasser veränderte sich die Stimmung. Die Jugendlichen wurden hilfsbereiter, achtsamer und aufmerksamer füreinander. Spätestens auf den SUP-Boards waren viele ganz da.
Am zweiten Hildesheimer Wassertag saß ein Junge still am Ufer. Er wollte unbedingt einen großen Fisch sehen. Das war sein Zugang zum Wasser. Nur warten, schauen und hoffen, dass sich unter der Oberfläche etwas zeigt.
Die Elde als Sommerort
Auch an der Elde in Neustadt-Glewe und Ludwigslust entstanden solche Momente. Unterhalb der alten Burg Neustadt-Glewe fanden die Stationen im Schatten der Bäume statt, gepaddelt wurde auf der Elde.
Und die hatte es den Jugendlichen angetan: bei einer Gehmeditation durchs Wasser, bei den Wasserbildern, die mit Elde-Wasser entstanden, und bei den vielen freiwilligen und „unfreiwilligen“ Schwimmeinheiten. Denn für einen Großteil der Schülerinnen und Schüler war es das erste Mal auf einem SUP. Nach ein paar Paddelschlägen ging es für einige direkt zur Abkühlung ins Wasser.
Am Ende war das Feedback eindeutig: SUP auf der Elde ist super – viele wären gerne länger auf den Boards geblieben.
Begegnungen am Peenestrom
In Wolgast am Peenestrom erzählte das Team vor allem von Begegnungen: mit Volunteers, Lehrkräften, Jugendlichen und Unterstützer:innen. Gleich am Morgen öffnete ein Mitarbeiter des Bauamts die Schranke zur Zufahrt und ersparte dem Team damit rund 800 Meter Schleppen des gesamten Equipments. Tom vom Media-Team der Sparkasse Vorpommern, der die Wassertage seit 2022 mit der Kamera begleitet, stieg kurzerhand in die Höhe, um Bilder aus der “Baumpersektive” einzufangen.
Und dann war da noch ein Vater, dessen Tochter beim Wassertag dabei war. Er kam mit seinem Zweimaster und machte auf dem Peenestrom halt, um ihr beim Paddeln zuzuschauen. Anschließend schwamm er ans Ufer, holte sie ab, und beide schwammen zurück zum Boot.
Solche Szenen entstehen, wenn Menschen ans Wasser gehen.
Wenn ein Plan ins Fließen kommt
Auch in Jarmen wurde wieder deutlich, wie flexibel die Wassertage manchmal sein müssen. Nachdem ein anderer Wassertag kurzfristig abgesagt worden war, konnte mit großartiger Unterstützung der Regionalen Schule Jarmen ein Wassertag am Zarrenthiner Kiessee möglich gemacht werden. Der Tag werde nachklingen, schrieb das Team später.
Panta rhei: Alles fließt.
The water we met
Der Peenestrom
Der Peenestrom trennt die Insel Usedom vom vorpommerschen Festland und verbindet das Stettiner Haff mit der Ostsee. Er ist etwas über 20 Kilometer lang und gehört damit zu einem der drei Mündungsarme, über die das Wasser aus dem Oderhaff Richtung Ostsee gelangt.
Besonders ist der Peenestrom, weil er kein Fluss im klassischen Sinn ist. Er ist ein Übergangsgewässer zwischen Fluss, Haff und Meer, ein Brackwasserraum, in dem sich Süßwasser aus Flüssen und Haff mit salzigerem Ostseewasser mischt. Je nach Wind und Wasserstand kann sich die Fließrichtung verändern. Bei starkem Nord- oder Nordostwind wird Wasser aus der Ostsee in Richtung Haff gedrückt, später fließt es wieder zurück.
Ökologisch ist dieser Raum sehr wertvoll. Schilfgürtel, Flachwasserbereiche und Buchten, bieten Lebensraum für Fische, Wasservögel, Amphibien, Insekten und viele Pflanzenarten. Zugleich bringen Nährstoffeinträge aus dem Einzugsgebiet, Schiffsverkehr, Uferverbauung, Tourismus, Klimaveränderungen und die Erwärmung flacher Gewässerbereiche auch dieses sensible System zunehmend an seine Grenzen.
Der Hohnsensee
Der Hohnsensee liegt im Süden von Hildesheim und entstand zwischen 1966 und 1974 durch Kiesabbau. Heute ist er ein beliebter Ort für Erholung, Freizeit und Badespaß.
Zugleich zeigt der Hohnsensee, wie sensibel solche Gewässer sind. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Algen- und Blaualgen-Themen. Der See wurde deshalb in diesem Jahr vertieft, um seine Wasserqualität zu stabilisieren. Für die Schülerinnen und Schüler wurde dadurch sichtbar: Ein Badesee braucht Aufmerksamkeit, Pflege und ein Gleichgewicht, das durch Hitze, Nährstoffe und Nutzung beeinflusst wird.
Die Elbe
Die Elbe ist einer der großen Flüsse Mitteleuropas. Sie entspringt im tschechischen Riesengebirge, fließt durch Tschechien und Deutschland und mündet bei Cuxhaven in die Nordsee. Insgesamt ist sie rund 1.090 Kilometer lang; ihr Einzugsgebiet umfasst etwa 148.000 Quadratkilometer. Damit verbindet die Elbe Gebirge, Mittelgebirge, Auenlandschaften, Städte, Häfen, Landwirtschaft, Industrie und Meer.
Ökologisch besonders wertvoll sind die Auen entlang der Elbe. Sie gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas: Überschwemmungsflächen, Altarme, Flachwasserzonen, Schlammbänke, Röhrichte und Auwälder bieten Lebensraum für Fische, Amphibien, Insekten, Wasservögel, Biber, Fischotter und viele Pflanzenarten. Auen wirken außerdem wie natürliche Schwämme: Sie können Wasser bei Hochwasser aufnehmen, bei Trockenheit langsam wieder abgeben und ihre Umgebung an heißen Tagen kühlen.
Gleichzeitig ist die Elbe ein stark genutzter und veränderter Fluss. Über viele Jahrzehnte wurden Ufer befestigt, Flussabschnitte begradigt, Auen abgetrennt und natürliche Überschwemmungsflächen verkleinert. Dadurch verliert der Fluss Raum, Dynamik und Rückzugsorte für Tiere und Pflanzen. Besonders in heißen, trockenen Sommern wird das zum Problem: Niedrigwasser, höhere Wassertemperaturen und sinkende Sauerstoffwerte belasten das Ökosystem zusätzlich.
Auch deshalb wird an vielen Stellen darüber nachgedacht, wie die Elbe durch naturnähere Ufer, besser angebundene Altarme und geschützte Auen wieder mehr Raum bekommen kann.
Der AWG-See II
Der AWG-See II liegt bei Gommern, südöstlich von Magdeburg, in der Nähe von Plötzky. Er gehört zu den AWG-Seen, einer Gruppe ehemaliger Kiesgruben, die heute als Erholungsgewässer genutzt werden. Die drei Seen liegen in einer Landschaft aus Sandufern, Kiefern, jungen Laubwäldern und Wegen, die sie mit weiteren Natur- und Freizeitorten in der alten Elbaue verbinden.
Wie viele Baggerseen erzählt auch der AWG-See II von einer Landschaft, die durch menschliche Nutzung entstanden ist und später zu einem neuen Natur- und Erholungsraum wurde. Wo früher Sand und Kies abgebaut wurden, finden heute Menschen Abkühlung, Ruhe und Naturerfahrung. Gleichzeitig sind solche Gewässer empfindlich: Flache Uferbereiche, intensive Freizeitnutzung, Hitzeperioden, Müll und Nährstoffeinträge können das ökologische Gleichgewicht belasten.
Die Enns
Die Enns ist einer der großen Alpenflüsse Österreichs. Sie entspringt in den Radstädter Tauern im Bundesland Salzburg, fließt durch die Steiermark und Oberösterreich und mündet bei der Stadt Enns in die Donau. Mit rund 254 Kilometern gilt sie als längster Fluss, der innerhalb Österreichs entspringt und auch innerhalb Österreichs in einen anderen Fluss mündet. Ihr Einzugsgebiet umfasst rund 6.000 Quadratkilometer.
Auf ihrem Weg verändert die Enns mehrfach ihr Gesicht. In den Alpen ist sie ein Gebirgsfluss, im steirischen Ennstal prägt sie eine breite Kulturlandschaft, im Gesäuse zeigt sie noch einmal ihre wilde Kraft. Nicht zufällig leitet sich der Name „Gesäuse“ vom Sausen und Brausen der Enns ab. Gerade dort, im Nationalpark Gesäuse, gehören die unverbauten Flussabschnitte zu den ökologisch besonders wertvollen Bereichen: Kiesbänke, dynamische Ufer, Nebenarme und Auen bieten Lebensraum für Fische, Insekten, Vögel und viele spezialisierte Pflanzenarten.
Die Enns wird dennoch stark vom Menschen zur Wasserkraftnutzung genutzt; entlang des Flusses liegen zahlreiche Kraftwerksstandorte. Dadurch entstehen zwar große Mengen Energie, zugleich verändern Stauhaltungen, Querbauwerke und schwankende Abflüsse die natürlichen Lebensräume im Fluss.
Deshalb gibt es an der Enns seit Jahren Projekte, die den Fluss wieder naturnäher machen sollen. Im Rahmen von LIFE-Projekten wurden Lebensräume verbessert, Zubringerflüsse besser angebunden und Maßnahmen umgesetzt, die sowohl der Natur als auch dem Hochwasserschutz dienen.
Weitere Gewässer
Informationen zur Elde, zum Hartkirchener Baggersee und Prameter Badesee ihr in vorangegangenen Blogbeiträgen.
MAHALO
… an die Sparkasse Oberösterreich, die Sparkasse Vorpommern, die Sparkasse Hildesheim Goslar Peine, die Sparkasse Mecklenburg-Schwerin und die Sparkasse MagdeBurg, ohne die diese Woche nicht möglich gewesen wäre,
… an die Mittelschule Esternberg, die Regionale Schule Jarmen, die Oskar-Schindler-Gesamtschule Hildesheim, das Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium Ried im Innkreis, die Regionale Schule Kosegarten Wolgast, die Regionale Schule „Peter Joseph Lenné“ Ludwigslust, die Kompass Schule Ried im Innkreis, die Sekundarschule „An der Elbe“ Parey, die Evangelische Sekundarschule Magdeburg, die Gemeinschaftsschule „Am Park“ Möckern, die Berufsbildenden Schulen Weyer und die Mittelschule Münichholz in Steyr,
… an alle Lehrkräfte, Volunteers, Unterstützerinnen und Unterstützer vor Ort,
… und an den Hohnsensee, Hartkirchner Baggersee, Prameter Badesee, Zarrenthiner Kiessee, Peenestrom, AWG-See, die Elde, Elbe, und Enns. Ihr habt gekühlt, getragen, gefragt und uns – gerade in dieser Woche – gewarnt.







































