Zwischen Himmel und Wasser

Unten das SUP-Board, darunter das Wasser, darüber der Himmel. Die Schülerin an der Krombachtalsperre schaute in die Wolken und ließ sich treiben. Später sagte sie, sie habe wissen wollen, wie es ist, „zwischen Himmel und Wasser zu sein“.

Dieser Satz erzählt viel über die Wassertage, vielleicht sogar mehr als jede Beschreibung des Programms. Denn in dieser dritten Woche der Wassertage 2026 ging es um etwas, das im Schulalltag oft weniger Platz hat: um einen anderen Blick.

Ein See, der vorher Kulisse war, wurde plötzlich ein Lebensraum. Ein Fluss brachte eine Gruppe zur Ruhe, die als wild angekündigt worden war. Ein Badeplatz am Traunsee zeigte nicht nur klares Wasser, sondern auch eine erstaunliche Menge Müll. Und ein Kanal mitten in Hamburg wurde zur Einladung, die eigene Stadt aus der Sicht des Wassers zu sehen.

Das Wasser machte sichtbar, was im Alltag untergeht

Am Samstag fand in Tutzing ein besonderer Wassertag statt. Im Rahmen der Politikwerkstatt „Vertrauen. EU. Poetry Slams.“ der Evangelischen Akademie Tutzing kamen 41 Schülerinnen und Schüler an den Starnberger See. Sonne, viel Wind und Schaumkronen auf dem Wasser begleiteten die Gedanken, Pinselstriche und Atemübungen der Jugendlichen.

Die Künsterlin Johanna Michalowski leitete die Kreativstation. Später schrieb sie uns, so sehe für sie Arbeiten „at its best“ aus. Sie habe es sehr geliebt, mit dieser Altersgruppe in Verbindung zu treten. „Alle so motiviert und offen für neue Erfahrungen.“

Klingt einfach, ist es aber nicht

Denn sich einzulassen bedeutet für Jugendliche oft, für einen Moment die Rolle zu verlassen, die sie sonst in einer Klasse haben. Die Lauten müssen nicht laut sein. Die Stillen dürfen sichtbar werden. Die Skeptischen dürfen loslassen. Und manchmal reicht ein See, damit sich etwas verschiebt.

An der Krombachtalsperre, wo Schülerinnen und Schüler der GMS Neunkirchen und der GMS Burbach ihre Wassertage verbrachten, wurde es nass aus jeder Richtung. Wolken, Regen, feuchte Kleidung. Und doch sagte ein Schüler, er sei erstaunt, dass es ein so schönes Fleckchen Erde direkt in seiner Region gebe.

Auch das ist eine Erkenntnis: Natur muss nicht spektakulär sein, um zu wirken. Sie muss nur wieder wahrgenommen werden.

Auf den SUP-Boards geschah dann, was bei den Wassertagen immer wieder geschieht. Aus Zögern wurde Ausprobieren, aus Unsicherheit ein vorsichtiges Stehen. Viele kamen vom Wasser zurück mit diesem kleinen, nicht immer ausgesprochenen Satz im Gesicht: Ich habe mich getraut.

Richtige Wasserratten

Am Traunsee sah man den Schülerinnen und Schüler des Bundesgymnasiums und Bundesrealgymnasiums Gmunden an, dass sie mit dem Wasser aufgewachsen waren. Selbst beachtliche Wellen machten ihnen wenig aus. Doch am Ufer fanden sie sehr viel Müll, trotz eines überschaubaren Badebereichs. Der schöne See wurde damit zu einem ehrlichen Lernort. Einer, der nicht nur zeigt, wie gut sich Wasser anfühlt, sondern auch, was wir ihm zumuten.

Einen Tag später kamen dann drei Klassen der digiTNMS Scharnstein hierher. Am Vortag hatte der Wind das Wasser so bewegt, dass keine Fische zu sehen waren. Nun war der See ruhiger, und plötzlich wurden die Fische sichtbar. Die Schülerinnen und Schüler bemerkten sie sofort.

Viele trauten sich zunächst nicht, auf dem SUP-Board zu stehen. Plötzlich standen sie, mit einem Grinsen im Gesicht. Ein Aha-Moment, der hoffentlich hängen bleibt. Solche Momente zeigen, dass Bildung auch dort beginnt, wo ein Körper etwas erfährt, bevor der Kopf es erklären kann.

Am Mittwoch kamen dann die Schülerinnen und Schüler der Schule an der Alm aus Pettenbach zum See und am Freitag eine Gruppe der Mittelschule Gmunden-Stadt, beide Male in wilder Hitze. Die Tiefe des Sees beeindruckte alle Schülerinnen und Schüler besonders. Fast niemand von ihnen hatte zuvor auf einem SUP gestanden. Umso schöner war zu beobachten, wie sie sich gegenseitig unterstützten und aufeinander aufpassten. Auch das macht Wasser sichtbar: dass Mut leichter wird, wenn man ihn nicht allein aufbringen muss.

Den Attersee genossen die Schülerinnen und Schüler der Privaten Mittelschule Vöcklabruck des Vereins für Franziskanische Bildung am Donnerstag sichtlich. Im klaren Wasser konnten sie Fische beobachten, auf den SUP-Boards kamen sie in Bewegung, und als der Wassertag zu Ende ging, war die Enttäuschung groß.

„Warum muss der Wassertag schon zu Ende sein?“, fragten einige.

Wenn Wissen eine Haltung weckt

Diese Woche brachte neben Bewegung und Naturerfahrung auch große Fragen mit sich. Besonders eindrücklich wurde das beim Thema “virtuelles Wasser”. Viele Schülerinnen und Schüler überlegten gemeinsam, woher das Wasser kommt, das in ihrer Kleidung „steckt“. Dass dafür oft Wasser aus Ländern des Globalen Südens verbraucht wird, war vielen nicht bewusst.

„Das ist doch unfair“, platzte es aus ihnen heraus.

Eine Reaktion, die zunächst kindlich wirkt. Sie zeigt jedoch, wie aus Information eine Haltung werden kann. Auf einmal geht es nicht mehr nur um Zahlen oder Produkte. Es geht um Gerechtigkeit und globale Zusammenhänge. Um die Frage, wer die Folgen unseres Konsums trägt.

Auch die Überschwemmungen in Gmunden im Jahr 2025 kamen zur Sprache. Die Jugendlichen wollten wissen, wie so etwas passieren kann. Der Traunsee wurde damit zum Ausgangspunkt für größere Fragen. Was passiert, wenn Wasser zu viel wird? Wie verändert sich unser Klima? Und wie müssen wir mit Landschaften umgehen, damit sie widerstandsfähiger werden?

Handy aus, Kind an

Am Aartalsee zeigte sich eine andere Form von Entdeckung. Zwei siebte Klassen der Johann-Textor-Schule legten für diesen Tag die Handys zur Seite, was ihnen erstaunlich leicht fiel. Zuerst nahmen sie neugierig den Spielplatz ein, danach unsere Wasserstationen.

Beim virtuellen Wasser wurde es konkret. Eine Schülerin erzählte, dass sie erst kürzlich ihren Pool mit 15.000 Litern Wasser gefüllt hatten. Genau diese Menge entspricht ungefähr dem Wasserverbrauch für ein Kilogramm Rindfleisch. Das „Oh“ konnte man in vielen Gesichtern lesen.

Auch auf dem Wasser veränderte sich im Laufe des Tages etwas. Von 42 Schülerinnen und Schülern wollten anfangs nur zehn auf die SUPs. Am Ende waren es 30 und viele wollten gar nicht mehr herunter.

Sauberes Wasser ist kein Luxus

In Mecklenburg-Vorpommern begann in dieser Woche ein weiterer Erzählfaden der Wassertage 2026: die Reise der Flaschenpost. Sie begleitet die Wassertage im Bundesland von Ort zu Ort und wird von den Schülerinnen und Schülern jeweils mit einer neuen Botschaft an das Wasser weitergegeben. So entsteht nach und nach eine gemeinsame Geschichte, die die einzelnen Gewässer, Klassen und Gedanken miteinander verbindet.

Am Stettiner Haff in Ueckermünde fand der erste Wassertag in Mecklenburg-Vorpommern statt. Das SUP-Fahren musste am Nachmittag wetterbedingt ausfallen. Doch an der Aktiv-Werden-Station zeigten die siebten Klassen großes Engagement. Sie krabbelten in die Büsche, machten sich die T-Shirts schmutzig und sammelten Müll heraus.

Zum Abschluss schrieb eine Gruppe die erste Flaschenpost-Botschaft:

„Hallo ihr Flaschenpostfinder!
Wir wünschen euch viel Spaß beim Wassertag. Haltet unser Wasser sauber, damit Natur, Mensch und Tiere gesund bleiben. Sauberes Wasser ist kein Luxus. Go with the flow! Ahoi.“

Sauberes Wasser ist kein Luxus. Der Satz klingt wie ein Slogan. Aber am Stettiner Haff, dem Übergang zwischen Fluss und Meer, Deutschland und Polen, Süßwasser und Brackwasser, bekommt er Gewicht. Denn Wasser endet nicht an der Stelle, an der wir gerade stehen. Es fließt weiter. Und mit ihm alles, was wir hineintragen.

Zwei Tage später verbrachten Schülerinnen und Schüler der Theodor-Körner-Schule aus Picher ihren Wassertag an der Elde. Die Gruppe war als wild angekündigt worden und zeigte sich dann sehr lieb, offen und berührbar. Das Paddeln auf dem Fluss war nicht nur idyllisch, sondern brachte viel Ruhe in die Gruppe.

Wenn aus einem Tag eine Idee wird

Am Plauer See hatte die Regionale Schule „Am Klüschenberg“ Glück mit dem Wetter. Unterstützt von einem großen Team der Sparkasse konnten die Schülerinnen und Schüler viele Meter auf dem Wasser zurücklegen. Am Ende beschlossen einige, nun eine SUP-Gruppe zu gründen. Aus einem Tag wurde eine Idee und aus einem See ein Ort, zu dem man zurückkehren möchte.

Am Goldbekkanal in Hamburg zeigte sich diese Wirkung mitten in der Stadt. Schülerinnen und Schüler vom Campus Uhlenhorst verbrachten dort den Freitag auf dem Wasser des Goldbekkanals. Beim Durchkreuzen des Kanals wollten einige ihre Bretter gar nicht mehr verlassen. Am liebsten wären sie weitergepaddelt, hinein in die Wasserwege der Stadt, um ganz Hamburg vom Wasser aus zu erkunden.

Wasser verändert den Blick

Auf die eigene Region. Auf das, was wir verbrauchen. Auf die Frage, wer wir sind, wenn wir nicht funktionieren müssen. Auf die Orte, an denen wir leben. Und auf die Verantwortung, die daraus entsteht.

Gewässerschutz beginnt nicht mit einem Appell, sondern mit dem Moment, in dem wir merken, dass Wasser nicht irgendwo ist. Sondern unter uns, um uns herum, in unserer Kleidung, in unserer Stadt, in unserem Leben.

The water we met

Der Starnberger See

Der Starnberger See liegt südwestlich von München und ist mit gut 20 Kilometern Länge und knapp 128 Metern Tiefe einer der großen Seen Bayerns. Nach dem Chiemsee gilt er als zweitgrößter See Bayerns – und als Sehnsuchtsort: weit, klar, von Bergen gerahmt, seit Generationen verbunden mit Ausflügen, Sommern am Wasser, Segelbooten, Badeplätzen und Spaziergängen am Ufer.

Hydrologisch ist er besonders spannend, weil er keinen großen alpinen Zufluss hat. Er wird vor allem von kleineren Bächen, Grundwasser und Niederschlag gespeist. Sein einziger natürlicher Abfluss ist die Würm. Das Wasser des Sees erneuert sich deshalb nur etwa alle 20 Jahre. Was in den See gelangt, bleibt lange Teil dieses Systems.

Ökologisch sind vor allem die Flachwasserbereiche bedeutsam. Dort rasten und überwintern zahlreiche Vogelarten aus Nord- und Osteuropa. Das macht den See nicht nur zum Freizeitsort, sondern auch zu einem wichtigen Lebensraum.

Heute gilt der Starnberger See als Gewässer mit sehr guter Wasserqualität, auch dank des Ringkanals, der Abwasser vom See fernhält. Gerade diese Qualität macht aber deutlich, wie empfindlich ein See ist. Freizeitnutzung, Bootsverkehr, Klimaveränderungen und die Bedürfnisse von Tieren und Pflanzen müssen immer wieder neu ausbalanciert werden.

Das Stettiner Haff

Das Stettiner Haff ist eine weite Lagunenlandschaft im Mündungsbereich der Oder. Es liegt zwischen Deutschland und Polen und verbindet Flüsse, Binnenland und Ostsee miteinander. Bei Ueckermünde öffnet sich der Blick über ein Gewässer, das ruhig wirken kann und doch Teil eines großen, bewegten Systems ist.

In das Haff münden unter anderem die Oder, die Peene und die Uecker. Über Peenestrom, Swine und Dievenow ist es mit der Ostsee verbunden. Dadurch ist das Stettiner Haff ein Übergangsraum: zwischen Süßwasser und Brackwasser, zwischen Fluss und Meer, zwischen zwei Ländern und vielen Nutzungen.

Ökologisch ist dieser Raum wertvoll, aber auch empfindlich. Schilfgürtel, Flachwasserzonen und Uferbereiche bieten Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Zugleich wirken Landwirtschaft, Nährstoffeinträge, Tourismus, Schifffahrt und Klimaveränderungen auf das Gewässer ein. Was im Einzugsgebiet geschieht, kommt irgendwann im Haff an und von dort weiter in die Ostsee.

Die Elde

Die Elde ist mit rund 208 Kilometern der längste Fluss Mecklenburg-Vorpommerns. Sie entspringt südwestlich der Müritzregion, durchfließt mehrere Seen der Mecklenburgischen Seenplatte und verbindet diese mit der Elbe.

Wie viele Flüsse in Deutschland ist auch die Elde kein unberührtes Gewässer. Sie wurde über lange Zeit genutzt, reguliert, ausgebaut und an menschliche Bedürfnisse angepasst. Schleusen, Kanäle, begradigte Abschnitte und veränderte Ufer erzählen davon, wie stark Menschen in Flüsse eingreifen, um sie als Verkehrsweg, Entwässerungssystem oder Wirtschaftsraum zu nutzen.

Rund 180 Kilometer der Elde beziehungsweise Müritz-Elde-Wasserstraße sind schiffbar. Die Wasserstraße wird heute jedoch nur noch begrenzt wirtschaftlich genutzt, ist aber für Sportboote, Hausboote, Kanus und Ausflugsschifffahrt wichtig. Zwischen Elbe und Plauer See werden rund 49 Meter Höhenunterschied durch 17 Schleusen überwunden.

Gleichzeitig laufen Renaturierungsbemühungen an der Alten Elde. Altarme wurden wieder geöffnet, Ufer naturnäher gestaltet, neue Stillgewässer geschaffen und Fischaufstiege gebaut, damit Fische und andere Wasserlebewesen Wehre besser überwinden können.

Der Plauer See

Der Plauer See gehört zur Mecklenburgischen Seenplatte und ist mit rund 39 Quadratkilometern Fläche der drittgrößte See Mecklenburg-Vorpommerns. Er ist Badegewässer, Freizeitort und Naturraum zugleich und ein wichtiger Teil einer Landschaft, die vom Wasser geprägt ist.

Über die Elde ist der Plauer See mit weiteren Seen der Mecklenburgischen Seenplatte und schließlich mit der Elbe verbunden. Dadurch ist er nicht isoliert, sondern eingebunden in die Mecklenburgische Seenplatte und die Müritz-Elde-Wasserstraße. Veränderungen in Nutzung, Nährstoffeinträgen, Uferbebauung oder Klimawandel betreffen deshalb nicht nur einen einzelnen See, sondern ein ganzes verbundenes Gewässersystem.

Genutzt wird der Plauer See auf vielfältige Weise: zum Baden, Segeln, Surfen, Paddeln, Angeln, Bootfahren und Erholen. Für viele Menschen ist er ein Ort des Sommers und der Freizeit. Gleichzeitig ist er ein sensibles Gewässer, dessen Qualität von Uferbereichen, Nährstoffeinträgen, Nutzung und Schutzmaßnahmen abhängt.

Der Goldbekkanal

Der Goldbekkanal liegt mitten in Hamburg-Winterhude und ist Teil des verzweigten Alster-Kanalsystems. Entstanden ist der Kanal aus einem früheren Bachlauf, der im Zuge der Stadtentwicklung schiffbar gemacht und später weiter ausgebaut wurde. Heute erzählt der Goldbekkanal viel über Hamburg als Wasserstadt: Wohnhäuser, Brücken, Märkte, Kulturorte, Bootshäuser und grüne Ufer liegen dicht beieinander. Das Wasser ist hier nicht ferne Natur, sondern Teil des städtischen Alltags.

Genutzt wird der Goldbekkanal von Alsterschiffen, Ruderbooten, Paddelbooten und Menschen, die Hamburg vom Wasser aus erleben möchten. Gerade darin liegt seine besondere Bedeutung. Er zeigt, dass Naturerfahrung nicht nur an großen Seen oder wilden Flüssen möglich ist, sondern auch mitten in der Stadt.

Weitere Gewässer

Informationen zum Traunsee, zum Aartalsee, zum Attersee und zur Krombachtalsperre findet ihr in unseren Blogbeiträgen aus den Wassertagen 2025.

MAHALO

… an die Hering Stiftung, die Sparkasse Oberösterreich, die Sparkasse Uecker-Randow, die Sparkasse Mecklenburg-Schwerin und die Sparda-Bank Hamburg eG, die diese Woche möglich gemacht haben,

… an die Evangelische Akademie Tutzing, die GMS Neunkirchen, das Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium Gmunden, die Regionale Schule Ehm Welk Ueckermünde, die GMS Burbach, die Regionale Schule „Am Klüschenberg“ in Plau am See, die digiTNMS Scharnstein, die Johann-Textor-Schule, die Schule an der Alm, die Mittelschule Vöcklabruck des Vereins für Franziskanische Bildung, die Theodor-Körner-Schule aus Picher und den Campus Uhlenhorst aus Hamburg,

… und an das Wasser, das sichtbar gemacht hat, was im Alltag häufig verborgen bleibt: die Schönheit der eigenen Region, die versteckten Ungerechtigkeiten unseres Konsums und die besonderen Momente, in denen man dem Himmel ganz nah kommt.